http://sorytoc-residence.tumblr.com/

Du lässt die Sprache Frage sein

Du lässt die Sprache Frage sein

Talent borrows, genius steals.

Die Wärme des Hauses bleibt noch einige Schritte an mir haften. Der Tag ist in den blassblauen Anfängen, wenige Minuten bis er völlig beginnt. Lächerlich, denn nichts im Leben beginnt, alles reiht sich nur nebeneinander aneinander. Wüsste ich jetzt schon Kommendes, so könnte ich endlich an die Zukunft glauben. Aber mein Leben beginnt nicht wie eine Geschichte, deren Anfang man genießen kann, weil man um eine Pointe weiß. Manchmal aber empfinde ich das starke Gefühl, dass ein Tag wie dieser besonders sein müsse, weil etwas passieren wird. Diese Ahnung ist diffus und nicht näher zu beschreiben als das Gefühl eines wirklichen Abenteuers.

Mir geht es wie dem Franz im Götz: Die ganze Welt ich weiß nicht wie, weist immer mich zurück auf sie.

Die Idee der heutigen Sprache: Was bleibt, wenn nichts bleibt? Es gibt ein Glücksrad der
wertneutralen Adjektive (krank, krass usw.). Glücksrad aufgrund der scheinbar wahllosen Auswahl der Trendwörter. Sie zeigen nur Erstaunen ohne zu werten. Sind Adjektive nun überhaupt noch notwendig?  Die Idee meiner Wochenenden: Was ist los, wenn nichts los ist?

Sehr faszinierend: an Barcelonas berühmtester Kirche wird noch immer gebaut. Nicht bloß renoviert, nein Gaudis Originalbaupläne mögen längst verschollen sein, aber wie viele Generationen werden an diesem Wachstum beteiligt sein, sodass es nicht länger auf den Bildschirm einer Digitalkamera passt – selbst wenn man sich hinlegt. Nicht nur Renovierung, tatsächlicher Neubau!

Neues Wort: Schwanemann.

Es gibt eine begrenzte Anzahl von Aktionen, aber eine unbegrenzte Zeit. Die Aktionen des Menschen sind ewiggleich und wiederholen sich unendlich. Das zu erkennen ist schwer aber auch bitter nötig.

Ich klebte am weißgrauen Plastiktütenhimmel und kam nicht ab. Später sah er aus wie der abziehende Rauch eines brennenden Waldes. Davon war ich abgekommen, mitten in diesen Fahrradwinter hinein.

Untersuche im Glas der Metro was dümmer aussieht, unterdrücktes oder offenes Gähnen.

I’m throwing my arms around Paris because only stone and steel accept my love.
Abgesehen davon, dass wir nach Paris wollten und die ganze Zeit ein großer runder Vollmond durchs Busfenster schien, war die Fahrt ein Albtraum.
Der Bus hält kurz, alle Raucher springen (gleich welche Uhrzeit) aus dem Bus (auch vier Uhr morgens) und rauchen. Der Bus hält lang, alle Reisenden springen (gleich welche Uhrzeit) aus dem Bus (auch fünf Uhr morgens) und essen. Da versteh’ einer die menschliche Psyche.
However, having settled that, life in all it’s disgusting glory goes on.

Ich klicke auf eine Mail von dir. Im Anhang ein Dokument namens „Scheiße originell“ in dem du mir deine scheiß originelle Todesart präsentierst.


Recycle mich. Ich werd’ papierbar.
Mach mich Pappmaché, mich wieder wertbar.

Ich stelle mir vor, ich würde in der Nacht stets den vorigen Tag noch einmal genau so wieder erleben. Am nächsten Tag würde ich mich an diesen verworrenen zusammenhanglosen Traum eher, als an den gestrigen Tag erinnern. Ich finde die Schatten an der Wand schon immer viel interessanter.

Being makes no sense to be at all. Nur um zu sein, muss man nicht leben. Es macht keinen Sinn zu leben um des Lebens Willen.

Der Wind klingt in den toten Blättern an den dürren Ästen wie starker Regen fällt. Ich fahre über einen Flecken von dem wohl nur ich noch weiß, dass er einmal ein Igel war.

Was siehst du, wenn du tanzt?
Ich sehe komprimierte Kompensation. Ein Ausgleich, denn wenn wir hundert Tage nicht tanzen können so brauchen wir doch einen, der ebendies wenigstens verspricht. Aber ich sehe kein Glück, ich sehe nur Kondensation von verzweifeltem Schweiß.
Heute fällt mir das nicht auf, heute bin ich Teil davon.

Selbstüberwindung:
mein neues Ziel und Wegbereiter. Das Selbst als Hindernis, das es zu überwinden gilt.
Ich enthebe mich der Illusion für Andere zu leben. Ich lebe ausschließlich mich selbst.
Kann ich ohne Hoffnung denken?
Ich darf nichts Ableiten. Menschen sind (leider) keine Romanfiguren.
Wieder erkennen ist Lüge, nichts ist je so gewesen.    

Bist du der Mann im Mond, bin ich die Frau um den Mittelpunkt der Erde. Sind meine Tränen so heiß wie sie sich anfühlen, so brennen sie bald kleine Löcher in den Boden. In diese Löcher springe ich hinein und grabe noch ein kleines Stück mit beiden Händen. Es wird angenehm warm. Ich schmiege mich um den Erdkern. Ich weiß nicht woraus er gemacht ist, aber er riecht so gut: nach Orangen, nach Blumenläden, nach frisch gestrichenen Wänden, nach Havelwasser auf der Haut, nach Spätsommerheu und nach Nebel. Es gibt nur einen Grund warum ich trotzdem traurig bin: Deine Briefe aus dem kalten All verglühen hier so leicht.

Danke für die Photographie, auf der du so schön dumm aussiehst.

Ich gucke auf den zu oberst angezeigten Titel der Schulermittler bei RTL-Now „Falsche Realität“. Es gibt keine falsche Realität. Realität ist da, wo die Gedanken sind. Wenn man aber sehen könnte, wo sich die Gedanken anderer befinden, niemand würde mit uns die Gegenwart teilen wollen. Gegenwart als Stück Hefe, dass sich in Richtung Zukunft und Vergangenheit zur Realität erwächst.

Wir sehen uns oder auch nicht.